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Eine kleine Stadt mit Dach

06.08.2009 – Wie die Bremer Waterfront zum innovativen Shopping- und Freizeitparadies wird

 

Text: Gerd Hartmann
Foto: Kay Herschelmann

Nach einem ausgedehnten Einkaufsbummel verstaut Herr X. zufrieden die Neuerwerbungen in seinem Segelboot, das an der Marina vertäut liegt. Seine Frau genießt derweil die Sonne und den Blick auf den Fluss und die Hafenanlangen rundherum. Sie sitzt bei einem Latte Macchiato unter den Markisen der schicken Café-Terrasse. Auf ihren Sohn müssen die beiden wohl noch ein wenig warten. Der nimmt gerade die letzten Hürden an der Kletterwand im Inneren des Gebäudekomplexes an den Ufern der Weser... So könnte ein Sommertag in der Bremer Waterfront vielleicht in Zukunft aussehen. Denn Ideen gibt es viele, das 26 Hektar große Gelände zu einem Erlebnisort am Wasser auszubauen.

Eine einmalige Attraktion in der Bremer Einzelhandelslandschaft ist die Waterfront schon heute. 80 Shops in drei großzügigen Einkaufspromenaden, ein kuppelbekrönter Food Court und ein Multiplex-Kino machen Shoppen zum Ereignis. Und auch zum Auto ist es nicht weit. In der größten Tiefgarage Norddeutschlands stehen 1.400 kostenlose Parkplätze direkt unter dem Center bereit, weitere 2.600 gibt es vor den Eingangstoren.  

»Bei uns steht Fashion und alles, was dazu gehört, im Mittelpunkt«, erklärt Center Manager Peter Schneider das Erfolgsrezept. Alle wichtigen Namen sind hier vertreten. Labels wie G-Star mit dem einzigen Shop in Bremen, die britische Modekette Primark sogar mit der einzigen Filiale in Deutschland. Nicht nur die vielfältige Shop-Auswahl sowie das gastronomische Angebot locken die Besucher. Einkaufen kann hier leicht zur schönen Nebensache werden. Denn zum Verweilen in maritimer Atmosphäre lädt vieles ein. Im Winter gab es an der Uferpromenade eine große Eislaufbahn. Direkt daneben glitzerten die Bremer Stadtmusikanten und andere Figuren aus Grimmschen Märchen als Eisskulpturen in einer speziell aufgebauten Thermohalle. Auch im Sommer punktet die Waterfront mit ihrer Lage. Ob Beach-Volleyball-Turnier oder Chillen im Strandkorb im Beachclub, hier kann man immer was erleben. Manchmal flanieren sogar Damen im Abendkleid und Herren mit Anzug und Fliege durch die Mall. Wenn im Cinespace Opern-Liveübertragungen aus der New Yorker Met über die Leinwand flimmern, erscheint das Publikum auch in Bremen festlich gekleidet. 

Die im September 2008 eröffnete Waterfront steht auf geschichtsträchtigem Boden. Fast hundert Jahre lang wurden hier von der AG Weser Schiffe gebaut. Die Straßenbahn-Haltestelle »Use Akschen« um die Ecke weist noch heute darauf hin. Auf Hochdeutsch bedeutet das »Unsere Aktiengesellschaft«. 1983 musste die Werft schließen. 

Später machte das Gelände zunächst als Zukunftshoffnung und dann als Sorgenkind Schlagzeilen. Die Geschichte beginnt in den neunziger Jahren. Damals machte sich der Stadtstaat Bremen Gedanken über seine postindustrielle Zukunft und die Nutzung seiner größten Industriebrache. Imagegewinn und Tourismus waren die Schlagwörter, aus denen die Idee des »Space Park« geboren wurde. Ein gigantisches Entertainment Center sollte das Projekt werden, mit integrierter Mall und einem Hotel in direkter Nachbarschaft. Eine Art Indoor-Eurodisney an der Weser – mit Star Trek statt Micky Maus. Nachdem fast 630 Millionen Euro verbaut worden waren, ging im Februar 2004 der erste überdachte Freizeitpark Deutschlands in Betrieb. Edutainment rund um das Thema Raumfahrt, spektakuläre Fahrgeschäfte und eine Rakete, in der man einen Start in den Kosmos simulieren konnte, sollten jährlich 13 Millionen Besucher anlocken. Schon sieben Monate später machte der Weltraum-Spielplatz eine Bruchlandung: Die erhofften Besuchermassen waren ausgeblieben. Das ebenfalls schlüsselfertige Einkaufscenter, das eigentlich das wirtschaftliche Kernstück bilden sollte, war mangels Mietern erst gar nicht eröffnet worden. Trotz des gewaltigen Bauvolumens – mit purem Entertainment konnte das Space Center der Konkurrenz der großen Freizeitparks nicht standhalten.

Alles dreht sich um die schönen Dinge des Lebens

»Anders als unsere Vorgänger haben wir zuerst den Einzelhandelsbereich entwickelt«, erläutert Center Manager Peter Schneider das Konzept der LNC Property Group, die den Komplex 2007 kaufte. Eine konsequent neue Atmosphäre gehörte auch zum Plan. Weltraum-Accessoires sucht man heute vergeblich. Anstatt in einer Mondlandschaft speist man jetzt im Food Court in maritim-lichtem Ambiente. Auch das Einkaufsangebot wird ständig feinjustiert. So eröffnete der britische Moderiese Primark im Mai hier seine deutschlandweit erste Filiale. Und da von den Kunden in den letzten Monaten verstärkt nach Lebensmitteln und Elektronik gefragt wurde, reagierte das Centermanagement sofort. Gespräche laufen bereits. Trotz aller Breite: »Die schönen Dinge des Lebens«, wie es Schneider nennt, sollen weiter im Mittelpunkt stehen. 

Im Konferenzraum der Center-Management-Etage hängen großformatige Baupläne an den Wänden. Über Pläne redet auch Peter Schneider gerne. Davon hat der Center Manager mehr als genug. Gerade für die Uferpromenade mit ihrem atemberaubenden Blick auf Hafenkräne und eine langgestreckte, baumbestandene Weserinsel gibt es noch viele Entwicklungsmöglichkeiten. »Auf Dauer soll das Center werden wie eine kleine, nach allen Seiten offene Stadt, wo man alles erledigen kann«, sagt er. Und weil Zeitvertreib und Spaß da ganz wichtige Dinge sind, steht auch das Thema Freizeit ganz oben auf der Agenda. Die geplante Kletterwand sei nur ein Symbol, sagt Schneider mit blitzenden Augen. »Wir wollen, dass hier etwas passiert, wo die Leute sich selbst körperlich bewegen und nicht in einem Fahrgeschäft sitzen und bewegt werden«, meint er dann noch sybillinisch. Mehr lässt er sich nicht in die Karten schauen.  

Dussmann Service ist bereits seit Ende 2003 an Bord des Gebäudetankers. Während der Zeit des Leerstandes war das Dussmann-Team unter anderem für die Bewachung und die Aufrechterhaltung des Grundbetriebes der technischen Anlagen verantwortlich. Als vor einem Jahr die Umbauplanung anfing, »mussten bei uns erst mal Urlaube verschoben werden«, erinnert sich Gudrun Sturm, die Leiterin der Dussmann-Niederlassung Hanse, an die arbeitsintensive Vorbereitungsphase. Die Hamburger Dussmann-Crew war federführend bei der Umsetzung der ebenso anspruchsvollen wie umfangreichen Aufgabenpalette. 

Seit dieser Zeit ist auch Torsten Kay vor Ort. Um die Aufbauphase zu managen, zog der Regionalleiter Mitte von der Berliner Zentrale der Dussmann Gruppe vorübergehend an die Weser. Wenn man ihn nach dem Leerstandsmanagement und den anschließenden Bauarbeiten fragt, lässt er erst mal Fotos über seinen Computerbildschirm laufen. Die zeigen zum Beispiel eine der Malls: Statt Geschäften Plastikplanen - nur der Boden ist genauso blank wie heute. Da sie von der Stadtseite zum Kinokomplex führt, war die verwaiste Einkaufsstraße während der gesamten Leerstandszeit als öffentlicher Durchgang geöffnet. Genau wie das Kino. Eine komplexe Sicherheits- und Reinigungsaufgabe. Ein anderes Bild zeigt eine staubdicht verpackte Rolltreppe. Während der Umbauphase im Sommer letzten Jahres war das Dussmann Service-Team auch für die Baulogistik verantwortlich. Andere Dinge lassen sich nicht auf Bilder bannen. Die Brandschutz-, Klima- und Heizungstechnik musste während der gesamten Zeit gewartet und in Betrieb gehalten werden. Um Bauschäden zu vermeiden, durfte die Innentemperatur niemals unter zwölf Grad sinken. Auch das zum Komplex gehörende Hotel, das durchgehend weiter betrieben wurde, war mit an die Energiezentrale angeschlossen.

Energiesparkonzepte und Anlieferungslogistik  All das ist jetzt Vergangenheit. Über die Überwachungsmonitore in der Leitwarte flimmert nicht mehr Leere, sondern buntes Leben. 190 Kameras sorgen innen und außen für Schutz. Im Gegensatz zu seinen Kollegen von der Sicherheit hat Ralf Hochheiden dafür gerade keinen Blick. Auf seinem Laptop programmiert der  36-jährige Steuerungstechniker einen Testlauf für die Lüftungsanlage. Die soll in Zukunft nachts nur noch reduziert laufen. Das Dussmann Service-Team hält die technischen Anlagen nicht nur am Laufen. Energiesparkonzepte werden genauso angeregt, entwickelt und umgesetzt wie ein differenziertes Abfallentsorgungsmanagement. Das sieht auf den ersten Blick ganz einfach aus: In den Anlieferungszonen stehen jeweils fünf verschiedene Container und eine Waage. Dahinter steckt eine komplexe Logistik. Nach Kilo abgewogen und in fünf Fraktionen sortiert, bezahlt jeder Shop-Mieter nur den Abfallanteil, den er tatsächlich verursacht hat. Sonst unvermeidbare Nebenkostenwidersprüche werden so von vornherein ausgeschlossen.  Nicht nur in diesem Bereich kann Dussmann Service auf seine umfangreiche Erfahrung zurückgreifen. »Wir verstehen, wie der Puls eines Einkaufscenters schlägt«, sagt Torsten Kay. Der lapidare Satz fasst vieles zusammen, was integrierte Dienstleistung in diesem Fall bedeutet. Ob in Sachen Anlieferungslogistik – wo Lademeister die LKWs in Empfang nehmen und die Wege zu den Shopbetreibern vermitteln – oder beim Unterhalt des Food Courts – wo Dussmann-Mitarbeiter neben der Reinigung auch für das Abräumen und Spülen der Tabletts zuständig sind – Dussmann Service entwickelte eine umfangreiche, eng verzahnte Dienstleistungspalette aus einer Hand. Ein eingespieltes Team, in dem jeder Kollege ein Stück der Gesamtverantwortung mitträgt, ist dazu eine Voraussetzung. »Wir haben hier die Möglichkeit, etwas zu entwickeln, was auf Dauer Bestand hat – wie ein Architekt«, fügt Torsten Kay noch stolz hinzu. »Das ist eine phantastische Aufgabe.« 

Am Info Point im Eingangsbereich geht es gerade um »Aida«. Darüber weiß die freundliche Dussmann-Mitarbeiterin genau Bescheid. Auf die sommerlichen Events wird sie oft angesprochen. Die Verdi-Oper wird im Juni und Juli direkt vor der Waterfront aufgeführt – auf einer riesigen Seebühne, die dafür ins Hafenbecken gebaut wird. Und im August stieben Blitze in die Nacht. Beim Feuerwerks-Spektakel »Pyro Games« erstrahlt der Himmel in magischen Farben.

Mit dem eigenen Boot kann man derzeit zwar noch nicht zu all diesen Ereignissen schippern. Aber wer maritimes Flair auch bei der An- und Abfahrt genießen möchte, wird trotzdem bedient. Fünf Mal täglich legen die Schiffe der Hafenrundfahrt an der Uferpromenade an.

 


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