Merkur mit Gewebeproben
07.06.2010 – Rund 1,25 Millionen Analysen und Gutachten legt das Landeslabor Berlin-Brandenburg jährlich vor. Als erstes staatliches Labor in Deutschland hat es sich dabei Unterstützung von außen geholt: Dussmann-Service hat die zentrale Probenannahme, die zentrale Spülküche und die Kurierfahrten übernommen. Damit alles dort ankommt, wo es hingehört.
Text: Anne Honisch
Foto: Thomas Ecke
„Eines Tages haben wir hier die Tür geöffnet und sind fast über ein Pferd gefallen.« Heidrun Roblick lächelt, Tiere kommen ihr oft auf den langen, stählernen Tisch. Meist jedoch nicht im Stück, sondern im Reagenzglas: Blut-, Gewebe-, Kot- oder Zellproben nimmt die Laborantin entgegen. Bei ganzen Tieren handelt es sich für gewöhnlich um tote Füchse oder Vögel. Ein ausgewachsenes Pferd sprengt da schon mal den Rahmen. »Wir haben es natürlich trotzdem akzeptiert«, Roblick bleibt gelassen. Sie arbeitet in der zentralen Probenannahmestelle des Landeslabors Berlin-Brandenburg. Hier in Frankfurt (Oder), zwischen gefliesten Wänden, Gefrierschränken und Desinfektionsmittel, erhalten Roblick und ihre Kollegen täglich hunderte Tier-, Lebensmittel- und Bodenproben.
Patient RBL6799
Die Probenannahme gleicht einer Poststelle, in der die Dussmann Service-Mitarbeiter alle Einsendungen entgegennehmen. So groß die Menge ankommender Proben auch sein mag: Die Laboranten dokumentieren jedes Detail und pflegen es ins hauseigene Computersystem ein. Die wichtigsten Informationen fassen sie in einem mehrstelligen Code zusammen. Hinter RBL6799 verbergen sich 200 ml Rinderblut, die vom behandelnden Veterinär X mit Verdacht auf Erkrankung vor einem Tag abgenommen und per Kurier eingeschickt wurden. Welcher Tierarzt des Landeslabors den »Patienten« übernimmt, verrät die Chiffre ebenfalls. Mitunter haben Heidrun Roblick und ihre Kollegen maximal 15 Minuten, um ankommende Proben gemäß der Qualitätsstandards aus den Kühlboxen zu nehmen, zu prüfen, zu beschriften und in den jeweiligen Gefrier- und Kühlschränken zu deponieren. Ist die Zeit abgelaufen, sind Gewebe und Co. – vor allem im Sommer – meist unbrauchbar.
Präzision lautet die oberste Tugend in der Probenannahme. Unachtsamkeiten können später im Labor nicht behoben werden, im Gegenteil: Sie verfälschen den Befund, was länderübergreifende Konsequenzen haben kann. Denn durch ein Schnellwarnsystem werden alle europäischen Be hör den innerhalb kurzer Zeit informiert, wenn das Untersuchungsergebnis beispielsweise Schweinegrippe lautet. Um fachliche Irrtümer auszuschließen, beschäftigt Dussmann Service Laboranten und Laborassistenten in der Probenannahme – wie Heidrun Roblick, die seit 30 Jahren in ihrem Beruf arbeitet. Für »Nachwuchs« sorgt das Landeslabor auch selbst. Jährlich bildet es Biologie und Chemielaboranten, staatlich geprüfte Lebensmittelchemiker, Fachtierärzte und Fachpharmazeuten aus.
Hilfe auch beim toten Kanarienvogel
Ortswechsel. In Berlin, wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, sitzt Prof. Dr. habil. Roland Körber in seinem Büro. Keine Fliesen, kein Desinfektionsmittel, dafür Auslegware und lange Schrankreihen an den Wänden. Professor Körber ist Direktor des Landeslabors Berlin-Brandenburg, eines der großen staatlichen Laboratorien in Deutschland. Es ist noch jung, gegründet Anfang 2009, als das Brandenburger Landeslabor und das Berliner Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen fusionierten.
Jetzt stemmt das Institut jedes Jahr rund 1,25 Millionen Analysen und Gutachten in den verschiedensten Bereichen: Gesundheits-, Verbraucher-, Umwelt- und Ressourcenschutz, Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Geologie. Viele Gebiete, viele Experten, an deren Spitze Prof. Körber steht. Er selbst ist Veterinärmediziner. Er skizziert die Aufgaben seiner Mitarbeiter: »Den Hauptteil macht natürlich die Laborarbeit aus, bei der wir alle amtlichen Proben untersuchen und Gutachten erstellen. Vor Ort sind wir – bei Bedarf und gemeinsam mit den zuständigen Behörden – als Sachverständige im Einsatz, etwa wenn in einer Bäckerei die Lebensmittelhygiene oder in einem Kosmetikbetrieb die Produktion kontrolliert werden. Außerdem entwickeln wir, gemeinsam mit anderen Experten, neue Untersuchungsmethoden und Analysestrategien.«
Rund 500 Mitarbeiter beschäftigt das Landeslabor und zählt damit zu den größeren Arbeitgebern in Berlin-Brandenburg. Die beiden Bundesländer finanzieren das Institut anteilig. Die Fachaufsicht haben die für Verbraucherschutz zuständige Berliner Senatsverwaltung und das Brandenburger Ministerium. Ob Schweinegrippe, Speiseeis, Vogelsterben oder Sonnencreme: Das Landeslabor informiert und gibt Verbrauchertipps.
Soweit sie die amtlichen Arbeiten, die immer Priorität haben, nicht beeinträchtigen, nimmt das Landeslabor auch Aufträge von Verbänden, Wirtschaftseinrichtungen und sogar von Privatleuten an: »Wenn jemand die Blutwerte seines Pferdes prüfen lassen oder wissen will, woran sein Kanarienvogel gestorben ist, dann übernehmen wir das.« Man merkt Körber den Veterinärmediziner an, er bringt oft und gerne Beispiele aus dem Tierreich.
Zellproben auf Wanderschaft
Dass der Kanarienvogel die Probenannahme auch tatsächlich erreicht, dafür sorgt ebenfalls Dussmann Service. Der Dienstleister spielt Merkur und übernimmt die Kurierfahrten. Neben den Laboren in Berlin und Frankfurt (Oder) wird auch in Potsdam, Oranienburg und Kleinmachnow geforscht. Zusätzlich gibt es in Berlin und Brandenburg rund 110 Anlaufstellen, bei denen Behörden, Tierärzte, Landwirte, Lebensmittelhändler und Co. Proben abliefern können. Die Kurierfahrer verbinden alle Standorte miteinander, sammeln die Proben ein und transportieren sie ins zuständige Labor.
Damit die Proben auf ihren Reisen nicht verderben, chauffiert Dussmann Service sie in Kühltransportern durchs Land. Der Dienstleister hat für seinen Kunden investiert und sieben neue Kurierfahrzeuge angeschafft. Kühl- und Tiefkühlboxen füllen den Lieferwagen, ein Temperaturlogger misst die Transporttemperatur, einmal wöchentlich wird er ausgewertet. Der Gefrierschrank muss es auf minus 18 Grad schaffen – pathologische Proben und leicht verderbliche Lebensmittel brauchen Eiseskälte. Alle Boxen sind ebenso akribisch beschriftet wie die Reagenzgläschen in der Probenannahme, denn Verwechslungen darf es nicht geben. Ebenso wenig wie Verspätungen, denn Stau bekommt der wertvollen Fracht nicht. Treuer Begleiter der Kraftfahrer ist der Verkehrsfunk.
Waschprogramm gegen Viren
So wie die Probenannahme den Anfang einer Tour durch das Landeslabor markiert, so bildet die Spülküche deren Ende. Viele Treppen von der Probenannahme entfernt, arbeiten auch hier zwischen Fliesen und Edelstahl Dussmann Service-Mitarbeiter und beseitigen die letzten Probenreste.
Verpackungsmaterial, an dem Blut, Urin und Kot kleben, wird im sogenannten Autoklav, einem Druckbehälter, mit Heißdampf sterilisiert und entsorgt. Reagenzgläser, Sezierbesteck, Messbecher, Pipetten und, und, und: Sämtliche Laborgerätschaften kommen in überdimensionale Spülmaschinen, deren Waschprogramme je nach Verschmutzung variieren – vom Agrarbereich bis hin zur Virologie.
Erfolg im Doppelpack
Weg aus der Spülküche, zurück ins Berliner Büro. Prof. Körber zieht Bilanz und die ist positiv: »Weil wir als erstes Landeslabor mit einem privaten Dienstleister zusammenarbeiten, stehen wir verstärkt unter Beobachtung. Die anderen Länder und vor allem die Behörden beäugen unser Vorgehen oft kritisch, aber ich denke, der Erfolg in Sachen Qualität und Effizienz gibt uns recht.« Erfolg im Doppelpack: Die öffentlich-private Partnerschaft funktioniert und sie funktioniert sehr gut mit Dussmann Service. »Wissen Sie, gerade die Probenannahme ist ein hochsensibler Bereich. Diese Dienstleistung auszugliedern, war ein großer Schritt. Und für uns ist öffentlich-privat nicht nur ein Schlagwort, uns war eine Partnerschaft von Anfang an enorm wichtig.«
Körber redet schneller, das Thema beschäftigt ihn. Die Fusion hat das Landeslabor zu einer Anstalt öffentlichen Rechts gemacht, was mehr Entscheidungsfreiheit, aber auch mehr Eigenverantwortung bedeutet. Das erste Jahr auf eigenen Beinen verspricht Erfolg.
In der Frankfurter Probenannahme ist inzwischen Dienstschluss. Alle Reagenzgläschen sind beschriftet, gekühlt und im Computersystem hinterlegt. Der Geruch von Desinfektionsmittel durchzieht die Räume. Morgen früh schon werden sich auf dem stählernen Tisch neue Proben sammeln – bereit, unter die Mikroskope zu kommen.
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